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30.11.2009 - Samstag war einer dieser Tage, an denen man sich schon beim Aufwachen wünscht, dass er schnell vorbei gehen möge. Grund dafür waren weder der graue, wolkenverhangene Himmel noch der enervierende Dauerregen, der mich bereits beim Öffnen meiner Augenlider begrüßte, als vielmehr die freudige Erwartung auf einen Abend mit Sizzla Kalonji im Wuppertaler U-Club. Im Laufe des Tages kommt mir eine erschreckende News unter: Unbekannte hatten in der Nacht zuvor einen Buttersäure-Anschlag auf den U-Club verübt und für die abendliche Veranstaltung vorgesehene Absperrgitter in die Wupper geworfen. Der Schaden könne jedoch im Laufe des Tages behoben werden. Somit sollte dem Konzert nichts mehr im Wege stehen. Na ja, fast nichts. Denn neben Mr. Kalonji und seiner Crew, die den Anwesenden den Abend mit Vibes und Niceness versüßen sollten, fand sich auch ein ganzer Haufen Demonstranten ein, der unter dem Slogan „Wuppertal stellt sich queer“ gegen den Auftritt des Künstlers protestierte. Um 19 Uhr startete die Demonstration mit einer Ansprache von Grünen-Politiker Volker Beck. Während sich der Regen auf die Menschen ergoss, hielt eine Band auf einer kleinen Bühne vor dem Club die Demonstranten bei Laune. Im Gegensatz zur Demonstration gegen Capleton vor knapp zwölf Monaten, bei der ein Türsteher wie auch einige Konzertbesucher bespuckt und beleidigt wurden, lief der Protest diesmal erfreulich friedlich ab, was möglicher Weise auch der respektablen Anzahl an Männern und Frauen in Grün zu verdanken war, die sich postiert hatten und das Geschehen mit wachsamen Augen beobachteten. Gegen 21:30 löste sich die Versammlung vor dem Club auf, während drinnen die Party startete. Als sich die Firehouse Crew warm gespielt hat, läutet sie mit einem Riddim-Medley die Show ein. Den Anfang macht Judgement Yard-Artist Joseph Shepherd, der beim Puplikum allerdings keine nennenswerten Reaktionen hervorruft. Ihm folgte ein motzender Teflon, bei dem es nur geringfügig besser aussieht. Als dann aber gegen zehn Uhr Sizzla selbst die Bühne betritt, geht der Club kurzzeitig in einem Lichtermeer auf. Hände gehen in die Höhe, um den Künstler zu grüßen, der wie immer schnieke gekleidet einen wahren Reigen altbekannter Tunes auf die Massive niederprasseln lässt. So bringt er im ersten Drittel seines Sets hauptsächlich Material von „Black Woman And Child“ und „Da Real Thing“. Immer nach dem Schema: Chorus, Verse, Chorus, Pull up! Next Tune! Boom Bang, Jamaican Style. Als es dann bei „Solid As A Rock“ etwas härter wird, folgt die Frage ans Publikum: „Are you ready fi some Dancehall Style? – Here we go!“ Mit Riddims wie „Applause“ und „Military“ bringt er bekannte Abgeh-Nummern, bis er mit „To The Point” (unter Auslassung der umstrittenen Zeilen) richtig Dampf macht. „Hey, hey, hey, hey“, schreit das Publikum bei jedem Refrain mit, während Sizzla gleich drei Strophen bringt und sich dabei immer weiter hochschraubt. Als die Stimmung schon am Siedepunkt ist, holt er seinen Überraschungsgast Gentleman auf die Bühne, der auf den gleichen Riddim einsteigt und weiter Feuer macht. Die Aktion bringt den dicksten Forward des Abends und wird den Anwesenden wohl noch lange im Gedächtnis bleiben. Dann stürmen auch noch Shepherd und Teflon die Bühne, und erheben in einem wilden Durcheinander ebenfalls Anspruch auf das Mic, das nun zwischen vier Artists herumgereicht wird. Als sich die Szenerie auflöst und die Show wieder geordnete Bahnen einnimmt, performt Kalonji noch ein paar Dancehall-Tunes, um dann das letzte Drittel erneut rootsig zu gestalten. Pünktlich um 23:30 verlässt er dann die Bühne und ward nicht mehr gesehen – ohne Zugabe, versteht sich. Während des gesamten Auftritts hörte man von ihm kein Wort über oder gegen Schwule, wie es übrigens bei allen Sizzla-Konzerten der Fall war, die ich in den letzten zwei Jahren erlebt habe. |
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