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     RIDDIM Clash 2007  
     Die Regeln oder Warum Sentinel nicht gewonnen hat  
  Text von RIDDIM Redaktion  
  Manchmal kommt es anders als man denkt. Eigentlich lief alles – ähnlich wie bei David Rodigan im letzten Jahr – auf einen Durchmarsch für Sentinel hinaus. Nachdem Pow Pow das Warm Up zu einem Heat Up gemacht hatten, griffen die Stuttgarter den Faden auf, um die Temperatur am Anschlag zu halten, was ihnen mit zum Teil kalkulierten Sure Shots auch größtenteils gelang.

Obwohl sie angekündigt hatten, sich aufgrund ihrer Kontrahenten mehr von ihrer Foundation-Seite zu präsentieren, schienen sie eine andere Taktik zu verfolgen, die ihnen letztendlich aber nicht gedankt wurde. Dass Sounds die Massive bedienen – geschenkt. Und wenn diese Party statt Clash will, dann bekommt sie eben „Clappas“ und „Senorita“ auf die Ohren. Doch selbst wenn das Publikum sehr jung ist, heißt das nicht, dass es ahnungslos ist und nicht zwischen Populismus, Kalkül, Kunstfertigkeit und Wagemut unterscheiden kann. Und ein Clash wird nun mal nicht in den Vorrunden, sondern im Dub Fi Dub entschieden – besonders wenn die Regeln vorsehen, dass niemand ausscheidet.

Dass Jack Scorpio und sein Selector Bailey Foundation-Schätzchen ans Tageslicht beförderten, die nicht angemessen gewürdigt wurden, ist schade. Wahrscheinlich lag es an der Präsentation und/ oder an der Sprachbarriere. Den Clash bereichert haben sie auf jeden Fall! Nur dass Jack im Dub Fi Dub gleich drei Barrington Levy-Specials zückte, wo das erste schon keinen hörbaren Forward einfahren konnte, bleibt ein Rätsel.

Bei allem Respekt für Sentinel, sie haben zu sehr auf Populismus gesetzt und sich zu siegessicher gewähnt. Elmar: „I think, tonight we are ready for this little piece of gold here, right?” Natürlich haben sie fleißig big Tunes gecuttet, dafür bürgt der Name Sentinel. Doch warum holte Elmar Shaggy zu sich auf die Bühne? Damit verdarb er uns und der Massive um des Forwards Willen die Überraschung zur Pokalübergabe. Im Anschluss kritisierte er die Clash-Regeln, mit denen er im Vorfeld einverstanden war. Auch das ziert sich nicht für einen Sportsmann. Im Dub Fi Dub bat er den Host Dennis Alcapone ins Rampenlicht zu treten, der etwas unsicher wirkte, als Sentinel sein „Teacher“-Dub Plate auflegten.

Am Ende nutzte alles nichts. Im Dub Fi Dub wurden die Stuttgarter abgestraft. Nachdem die ersten drei Vorrunden eindeutig auf ihr Konto gingen, gewann Rodigan ab der vierten Runde zunehmend die Oberhand. Während er sich anfangs noch überrascht über Elmars Killerinstikt zeigte, leckte er spätestens dann Blut, als sich Elmar im Dub Fi Dub despektierlich über Rodis Sure-Draws von Supercat, Tenor Saw und Prince Buster äußerte. „Das konnte ich so nicht so hinnehmen. Elmar tat so, als sei das nichts. Hätte er diese Plates cutten können, er hätte zugegriffen, hätte sie genauso kopiert wie ,Reggae Music'. Jeder weiß, das ist ein Rodigan-Anthem. Früher – in der guten alten Zeit (schnarcht) – war es ein Unding, ein Anthem eines anderen Sounds zu kopieren. Als Sentinel ,Reggae Music' spielten, dachte ich nur, okay, jetzt mache ich ernst. Denn das heißt, sie wissen meine Anthems nicht zu schätzen.“

Im Vergleich zum Vorjahr rollte Rodigan den Clash anders auf, startete mit New Tunes und setzte damit auf Risiko. „Als Selector kann man zwischen zwei Optionen wählen. Du spielst Songs, die alle kennen und fährst mit Sicherheit Forwards ein. Oder du bereicherst den Clash mit neuen Stücken, dann musst du natürlich damit rechnen, dass das Publikum dich nur verständnislos anstarrt. Ich hatte mich für die zweite Möglichkeit entschieden.“ Entsprechend die Reaktionen im Publikum. Rodigan fehlte es an Biss. „Ich weiß nicht, woran es lag. Mein verrücktes Alter Ego war nicht da. Ich fühlte mich irgendwie alleine... Es war ein seltsames Gefühl. Vielleicht waren es auch nur die Nerven. Ich wusste, dass es viel Hype um Sentinel geben würde. Deswegen wollte ich etwas Ruhe einkehren lassen, wollte nicht direkt explodieren.“

Das hob sich David Rodigan fürs Dub Fi Dub auf. In einer feurigen Rede, die – wie er betonte – nicht gegen Sentinel gerichtet war, tat er seine Meinung über heutige Sound System-Politricks kund. „Geld ist der zentrale Faktor im Sound System-Geschäft geworden. Wir sollten uns jedoch vor Augen führen, dass das Geschäft nicht auf Geld gegründet wurde. Künstler mussten ihren Gedanken und Gefühlen Ausdruck verleihen, was nur in der Musik möglich war. Money is the new warlord, money talks, bullshit walks. Für Geld kannst du fast alles kaufen, doch um ein guter Selector zu sein, brauchst du keine Dub Plates.“ Und doch waren es eben diese – und auch die von Elmar prognostizierten Sure-Draws –, mit denen er beim Riddim Clash 2007 sieben Schwaben auf einen Streich erlegte. Ein Sieg, der zwar mühsam ermittelt wurde, am Ende aber eindeutig war. Nach etlichen Abstimmungen teilte Mattia vom U-Club wie Moses das Publikumsmeer: Zwei Drittel schlugen sich auf die Rodi-Seite, der als erster Teilnehmer zweimal hintereinander die RIDDIM-Trophy sein eigen nennen darf und somit beim nächsten Mal nicht mehr dabei sein wird. 2008 werden die Karten neu gemischt, das gilt auch für die Regeln...

Die RIDDIM-Redaktion gratuliert David Rodigan zum Sieg und bedankt sich recht herzlich bei Sentinel, Black Scorpio, der U-Club-Posse, Julian Schmidt für den guten Tipp, den Rootdown-Jungs, Shaggy und natürlich bei der Massive! Die RIDDIM Clash DVD gibt es auf www.riddimclash.de zu kaufen.

 
     
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  Carley - alexis-lemoal@hotmail.fr[http://www.bing.com/]
Extremely helpful article, plaese write ... mehr
 
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Text von RIDDIM Redaktion
Fotos von Felix Seuffert

Dieser Artikel erschien in RIDDIM 01/08

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