Kim La Queen  
     Born 2 Dance  
  Text von Michael Schuster  
  Auch fernab von Straßen-Events wie Passa Passa oder Dutty Fridaze braucht man sich nicht mehr nur mit verwackelten Video-Bildern zufrieden zu geben, um die neuesten Moves zu goutieren. Verantwortlich für die gesteigerte Tanzaktivität auf deutschem Dancehall-Parkett sind selbsternannte Königinnen, im Volksmunde auch Dancehall-Queens genannt. Eine, die sich verstärkt auch im internationalen Fokus des Tanzinteresses bewegt, ist die 23-jährige Kim La Queen.

Wie bist du dazu gekommen, als Dancehall-Queen aufzutreten?Motiviert von Artists wie T.O.K., Beenie Man und Sean Paul begann ich 2002 bei Dancehall-Veranstaltungen von Big River in Mainz und Soundbwoys Destiny in Frankfurt mein Tanzbein zu schwingen, wobei mir meine tänzerische Vorbildung im Bereich HipHop zugute kam. 2005 gründete ich eine Dancehall Queen-Crew, die Champion Bubblers, die noch heute besteht und zusammen trainiert. Im Laufe der Zeit betrat ich immer öfter meist spontan die Bühne, um das Set von Sound Systems wie den Soundbwoys Destiny, Pow Pow oder Sentinel tänzerisch zu begleiten. Dabei stieß ich allerdings manchmal auch auf Ablehnung einer Massive, die mein Schaffen als GoGo-Tanz abzuwerten suchte, damit jedoch indirekt zur Steigerung meines Selbstbewusstseins beitrug, mich auch vor einer kritischen Menge durchzusetzen. Nach hartem Training und unzähligen Tanzeinsätzen auf Partys in ganz Deutschland nahm ich 2006 an einem internationalen Dancehall Queen Contest in London teil. Dieses Jahr führte mich mein Weg bereits auf zwei Contests mit internationalem Charakter, nach Bologna, Italien, und nach Montego Bay in Jamaika, wo ich den 16. Platz von insgesamt 48 Teilnehmerinnen belegen konnte.

Wie bereitest du dich auf einen Contest vor?Die Vorbereitungszeit beträgt zwischen ein und drei Monaten. Oft entwickle ich in Abstimmung mit der eingereichten Musik ein Motto, in Jamaika habe ich zu „Church Heathen“ als Nonne verkleidet getanzt. Vieles ist aber Freestyle, wobei es darum geht, die verschiedenen Moves einzubauen. In Bologna war es beispielsweise anders als beim Contest in Jamaika so, dass man ab der zweiten Runde Musik vorgesetzt bekommt statt einen eigenen Mix zu verwenden.

Aus welchen Komponenten setzt sich eine Bewertung der Performance zusammen?Das variiert von Contest zu Contest. In Italien z.B. wurden Punkte in mehreren Kategorien vergeben. So wurde neben der generellen Tanzperformance noch Styling, Outfit und Musikauswahl berücksichtigt.

Wie lukrativ ist das Dancehall Queen Business? Kannst du davon leben?In unseren Breiten kann man damit definitiv noch kein großes Geld verdienen. Ich bekomme zwar Anfragen für verschiedene Dates u.a. durch meinen Kontakt zu Big Head Promotion in Jamaika und muss auch nicht die Kosten für Anfahrtsweg und Hotel tragen, jedoch kann ich für meine Performance keine große Gage fordern. Meine Motivation ist aber auch nicht materiell bedingt, sondern ich tanze gerne und freue mich, andere Menschen zu begeistern und ihnen das Tanzen näherzubringen.

Was sind deine aktuellen Pläne?Aktuell bereite ich mich für den UK International Dancehall Queen Contest am 14. Dezember in Birmingham vor. Nächstes Jahr wird mich mein Weg u.a. nach Tokio führen. Zudem werde ich weiterhin die deutschen Dancehall-Bühnen beleben und mit Sound Systems in Deutschland kooperieren. Als Tänzerin und Choreographin ist es mein Traum, eines Tages die Videoclips namhafter Künstler bereichern zu dürfen.

 
     
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Text von Michael Schuster

Dieser Artikel erschien in RIDDIM 01/08

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