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     Heimspiel  
     Elf Freunde sollt ihr sein  
  Text von Brad Harris  
  Es ist kein neues Phänomen, doch es breitet sich immer mehr aus. Während Reggae-Bands im Rest der Welt vorzugsweise kompakt besetzt sind, um den unterschiedlichsten Anforderungen als allzeit einsetzbare Eingreiftruppe für die unterschiedlichsten Artists spontan und flexibel nachkommen zu können, treten europäische und speziell deutsche Reggae-Bands am liebsten in der Stärke einer Fußballmannschaft auf.

Neben den üblichen Gitarre, Schlagzeug, Bass, Keyboard verstärkt man sich hierzulande gerne um bis zu drei Bläser, ebenso viele (Background-) Sänger (-innen), Percussions, Didgeridoo und beliebig viele zusätzliche Gitarren. Wie auch inhaltlich geht es in unseren Regionen nämlich musikalisch meist um künstlerisch tiefschürfenden Ausdruck, was oft in rockistischen Jamsessions endet und ein Musikverständnis perpetuiert, das bevorzugt Hippies nachgesagt wird. Bestenfalls klingt das nach dem Prog-Reggae von Groundation, den Amis, die interessanterweise am besten in Europa funktionieren. Ganz offensichtlich wurde diese Entwicklung beim European Reggae Contest, den das italienische Rototom Sunplash-Festival 2007 durchführte. Unter 150 Teilnehmern gehörte Sieger Franziska aus Italien mit acht Mann schon zu den kleineren Bands.

Den Anfang dieses Trends, der inzwischen eine fatale Entwicklung genommen hat, machten die beiden deutschen Champions League-Teilnehmer Seeed und Gentleman mit der Far East Band. Erstere zogen sich in diesem Jahr nach dem Sommermärchen eines dreifach ausverkauften Heimspiels auf der Kindl Bühne für die nächsten Jahre von der Bildfläche zurück, um ihren Mittelstürmern Pierre Baigorry aka Enuff aka Pete Fox und Demba Nabé aka Eased aka Boundzound Zeit für Solo-Dribblings zu geben. Gentleman, der überhaupt erst für die internationale Anschlussfähigkeit hiesiger Reggae-Produktionen gesorgt hatte, war in dieser Saison im Vergleich zu vergangenen Spielzeiten nicht ganz so erfolgreich, konnte mit „Another Intensity“ und dazugehöriger Tour nicht die in ihn gesteckten hohen Erwartungen erfüllen. Vielleicht hatte er in den letzten Jahren einfach zu viele Pflichtspiele auf heimischem Rasen absolviert, als dass er noch die ganz großen Massen in die Arenen locken konnte – in Paris, wo man ihn noch nicht so oft hat zaubern sehen, füllte er immerhin das Zenit.

Zumindest in kommerzieller Hinsicht sämtliche Erwartungen übertroffen haben dürften hingegen Culcha Candela, die mit ihren gefühlten elf Mitgliedern (tatsächlich bekommen sie gerade mal eine Volleyballmannschaft zusammen) und Hits wie „Hamma!“ und „Ey DJ“ wiederholt bewiesen haben, dass man Musikpiraterie auch anders, nämlich ganz im Sinne der Musikindustrie betreiben kann.

Unter den Einzelkämpfern haben 2007 nebst kleineren Achtungserfolgen lediglich Nosliw, Ill Inspecta und wie eigentlich in jedem Jahr Dr. Ring-Ding mit Veröffentlichungen gepunktet – wenn auch weniger unter kommerziellen, als unter musikalischen Gesichtspunkten, aber darum sollte es in einer besseren Welt ja ohnehin gehen. Fürs nächste Jahr haben sich jedoch schon einige vielversprechende Individualsportler mit neuem Material angekündigt, die in diesem Jahr lediglich live von sich reden machten: Sebastian Sturm, Ganjaman, Mono & Nikitaman, Manu Ranking, Maxim und natürlich der niemals rastende Dr. Ring-Ding. Bleibt zu hoffen, dass sich demnächst nicht auch noch Sound Systems zu elft hinter den Plattentellern auf den Füßen rumstehen...

 
     
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Text von Brad Harris

Dieser Artikel erschien in RIDDIM 01/08

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